1997-02-12: Neubau der B3a West

Mobilität ist heutzutage für alle eine Selbstverständlichkeit, für viele ist das Auto geradezu zum Fetisch geworden. Unsere Städte werden von Blechlawinen überrollt, die Straßen sind verstopft, und selbst durch Dörfer und über Landstraßen brausen immer mehr Fahrzeuge. Die Folgen sind unerträgliche Beeinträchtigungen für die Bürger und Bürgerinnen und fortschreitender Schaden für Natur und Um­welt durch Schadstoffe, Klimaveränderungen und Landschaftsverbrauch. Der Wald stirbt schweigend, aber immer mehr Menschen lassen sich die Zerstörung ihrer Gesundheit und ihres Wohlbefindens nicht länger gefallen. Die Politik ist gefordert.

Fast jeden Tag konnte man in den letzten Wochen in den hiesigen Zeitungen Meldungen über die Verkehrsmisere in Bad Nauheim und über die geplante B3a lesen. Die vorgestellten Konzepte sind allesamt alte Strickmuster, die uns in die jetzige Sackgasse geführt haben. Den wachsenden Ver­kehrs­mengen des motorisierten Individualverkehrs wollen CDU, SPD, FDP und die UWG mit immer mehr neuen Straßen begegnen.

Unsere heutigen Möglichkeiten der regionalen und weltweiten Mobilität sind Ausdruck unseres Wohlstandes und unserer Freiheit. Die Grenzen dieses Wachstum sind bereits überschritten. Ohne ein ernsthaftes Umdenken sind die negativen Folgen der uneingeschränkten motorisierten Mobilität nicht mehr in den Griff zu bekommen. Die Grünen haben sich bereits seit den achtziger Jahren für eine „Verkehrswende“ eingesetzt. Denn wenn es uns nicht gelingt, mit diesen Fähigkeiten verantwortungsvoll umzugehen, werden wir durch unser Handeln unsere Lebensqualität und unsere Gesundheit beeinträchtigen. Diese offenkundigen Gefahren wurden bis heute in den konkreten Entscheidungen der Verkehrspolitik viel zu wenig berücksichtigt.

In Bad Nauheim wurde im Hinblick auf ökologische Verträglichkeit und wünschenswerte Verkehrsberuhigung in der Vergangenheit vieles versäumt, teilweise wurden späte, aber richtige Beschlüsse nicht zügig umgesetzt, zum Beispiel Tempo 30 Zonen und Fahrradwege zu den Ortsteilen.
Bündnis 90 / DIE GRÜNEN werden sich, wie schon immer, für ein Verkehrskonzept einsetzen, das die negativen Folgewirkungen dieser bisherigen Fehlplanungen abmildern wird. Wir wünschen uns eine Mobilität für Alle, dabei Vorrang für Menschen zu Fuß oder mit dem Rad, Vorrang für den Stadtbus und eine Minderung der Fahrten mit dem Auto in der ganzen Stadt.

Im Hinblick auf die Diskussion zur geplanten B3a teilen Bündnis 90 / DIE GRÜNEN die Auffassung der Naturschutzverbände. Der Neubau der B3a West ist ökonomisch und ökologisch unsinnig und wird nicht zu den erhofften Entlastung führen, weder für Bad Nauheim noch für Friedberg. Auch eine fertig­gestellte B3a wird die Anwohner der Schwalheimer Straße nur unwesentlich entlasten. Die zunehmen­de Verkehrsbelastung dort ist auch auf das neuerschlossene Baugebiet, die Erweiterung des Hoch­wald­krankenhauses und einem ständig steigenden „Freizeitverkehr“ zuzuschreiben. Eine echte Ent­lastung kann daher nur eine ökologisch orientierte Verkehrswende erreichen.

Kurzfristig wirksame Konzepte sollten darauf abzielen, das Gefährdungspotential zu reduzieren. Eine Verengung der Fahrbahnen, Verkehrskreisel und spürbare Geschwindigkeitsbeschränkungen könnten die Auswirkungen der erhöhten Verkehrsbelastung abmildern.

Für ein ökologisches Verkehrskonzept in Bad Nauheim ist es wichtig, möglichst bald alle Stadtteile an das Stadtbussystem anzuschließen. Langfristig ist dabei auch an eine Ausdehnung auf Nachbar­gemeinden zu denken, z. B. Ober-Mörlen. Die Verkehrsberuhigung in der Innenstadt Bad Nauheims kann nur durch eine konsequente Reduzierung des individuellen motorisierten Verkehrs erreicht wer­den. Wie Beispiele in anderen Städten zeigen (z.B. Zürich, Bad Salzuflen), muß das Autofahren in den Innenstädten erschwert und nicht erleichtert werden. Die Grünen setzen sich deshalb für eine Auswei­tung der Fußgängerzone und der verkehrsberuhigten Zonen ein. Durch Verlagerung von Parkplätzen an den Stadtrand mit guter Busanbindung an die „City“ wird die Attraktivität der Bad Nauheimer Innen­stadt wieder zunehmen.

Abschließend appellieren Bündnis 90/DIE GRÜNEN an die anderen Parteien, trotz des derzeit herr­schen­den Wahlkampfes auf verbale Kraftakte zu verzichten und eine sachgerechte Aus­einandersetzung zu führen, die auch andere Meinungen respektiert.

Rolf Meister
Fraktionsvorsitzender

Treffen

Regelmäßige Treffen der GRÜNEN-Fraktion am 1. und 3. Montag des Monats um 20 Uhr, Evangelische Familienbildungsstätte, Am Goldstein 4 ("Alte Wäscherei")

Gäste sind stets willkommen, auch zum mitdiskutieren!

Aus den Fotoalben

Brigitta Nell-Düvel

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