2002-07-10: CDU hat Zeichen der Zeit nicht erkannt
Grüne kritisieren erneut die Haltung der Christdemokraten zur Rathaus-Photovoltaikanlage
Dank der CDU verliert Bad Nauheim an Image und den Anschluss an die Zukunftstechnologie - diese Befürchtung hegt der Grünen-Stadtverband und begründet die Kritik mit den Vorgängen um die Installation einer Photovoltaikanlage auf dem Dach des Rathausneubaus. Wie berichtet, sollen die Solarmodule aus Rücksicht auf den Denkmalschutz und auf das Stadtbild beim Blick vom Johannisberg ihren Platz nicht auf dem Rathausdach, sondern auf einem Nebengebäude im Schatten der Zehntscheune finden.
Das bestätigte Rohde in seiner Antwort auf eine nochmalige Anfrage der Grünen zu diesem Thema.
"Aus jedem Satz wird die ablehnende Haltung gegen die Solartechnik deutlich. Die Zeichen der Zeit hat die Bad Nauheimer CDU mit Rohde und Bennemann nicht erkannt", betonte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Bad Nauheimer Grünen. Heizungsfirmen wie Viessmann, Buderus, Vaillant oder Junkers hätten das Thema Sonnenwärme für sich entdeckt. Energieriesen wie RWE, BP oder Shell investierten massiv in den Aufbau von Produktionskapazitäten von Solarzellen. In Hannover habe der ADAC auf seinem Neubau eine 78 Kilowatt-Anlage für eine Million Euro installiert. Auf den Münchner Messehallen entstehe derzeit die weltgrößte Photovoltaikanlage mit 7560 Solarmodulen. Die Produktionskapazitäten für Solarzellen wachsen, laut Nell-Düvel, jährlich um dreißig Prozent und erreichten dieses Jahr bereits einen Umsatz von 1,3 Milliarden Euro. Deutschland sei nach Japan der zweitgrößte Produzent von Solarzellen.
Das wollen Rohde und Bennemann nicht zur Kenntnis nehmen. Stattdessen rate der Bürgermeister Bündnis90/DIE GRÜNEN zur Zurückhaltung und unterstelle damit, sie seien mit ihrem Engagement für eine moderne Umweltschutztechnologie auf dem Rathausdach eine Gefahr für den Wirtschaftsstandort Bad Nauheim.
Rohde und Bennemann setzten wohl immer noch auf das bekannte CDU-Wahlkampfmotto "Weiter so Deutschland". Tatsächlich nehme die Zahl der wetterbedingten Naturkatastrophen wie Stürme und Überschwemmungen zu. Die Wissenschaft warne bereits seit Jahren vor den Risiken der Klimaerwärmung. Deshalb setze das Kyoto-Protokoll weltweit Ziele zur CO2 –Reduktion, um den Klimawandel aufzuhalten. Bad Nauheim als Mitglied des Klimaschutzbündnisses stünde es gut an, hier für alle sichtbar mit gutem Beispiel voranzugehen.
Nell-Düvel: "An Ratgebern fehlt es nicht: Die Träger des Umweltschutzpreises des Wetteraukreises, zwei renommierte Fachleute auf dem Gebiet der Solartechnologie, Dr. Klaus Wagner und Kurt Miller, hatten im Vorfeld der Planung öffentlich ihre Unterstützung angeboten. Doch statt sich von kompetenten Fachleuten beraten zu lassen, beauftragt der Bürgermeister ein Ingenieurbüro, dass bisher bei Neubauten aus Gründen der Ökonomie und der Ökologie keine einzige Photovoltaikanlage errichtet hat." Bei dieser Einstellung sei es nicht weiter verwunderlich, wenn Rohde in der Beantwortung der Anfrage die Solartechnologie als"„in der Fachwelt mehr als umstritten" abwerte.
Nach wie vor wird nach Auffassung der Grünen zuviel Energie in ineffizienten Kraftwerken produziert, und durch ineffiziente Autos verbraucht. Die rote Liste der aussterbenden Tiere und Pflanzen werde immer länger. Die Abfallmengen nähmen nicht entscheidend ab. Dies alles gelte es zu ändern, auch von der Kommunalpolitik, die dazu nicht zuletzt den Prozess der Agenda 21 nutzen könne.
"Wie sinnvoll eine Japanreise für die hiesige Wirtschaftsförderung ist, will ich nicht bewerten. Kein Verständnis habe ich dafür, dass der Bürgermeister es nur wenig später versäumt, die Aktivitäten der Stadt Bad Nauheim auf dem Tag der Agenda 21 in Darmstadt nach außen zu repräsentieren. Gerade von den Vertretern der CDU an der Rathausspitze erwarte ich eine vorbildliche Politik der Unterstützung für die mittelständischen Betriebe, die Umweltschutztechnologie vor Ort installieren". betonte die Grünen-Politikerin.

