2005-10-26: Sonnenenergie vom Dach
Grüne fordern umweltfreundliche Stromerzeugung auf den Dächern der Stadt
In Sachen Sonnenenergie-Nutzung wird nach Ansicht der Grünen in der Kurstadt nicht genug getan. Die Fraktion der Partei hat deshalb für die nächste Stadtverordnetensitzung einen Prüfantrag gestellt. Die Stadtverwaltung soll untersuchen, welche städtischen Dachflächen für den Aufbau einer Photovoltaikanlage geeignet sind. Eine Anregung liefert Grünen-Fraktionschefin Brigitta Nell-Düvel gleich mit: Will die Stadt die Dächer ihrer eigenen Immobilien nicht selbst mit solchen Anlagen. bestücken, sollten die Flächen nach dem Vorbild des Butzbacher Modells einem Bürgerverein zur Verfügung gestellt werden, der für den Betrieb sorge.
"Solarenergie erfreut sich in Deutschland größter Beliebtheit und immer mehr Menschen setzen auf die Kraft der Sonne. Angesichts steigender Preise für konventionell erzeugte Energie ist dieser Weg eine gute Investition in die Zukunft", betonte Nell-Düvel. "Der schier unstillbare Energiebedarf und die immer stärkeren wirtschaftlichen Schäden des Klimawandels machen ein Umdenken in der Energiepolitik weltweit notwendig.
Heute entscheiden wir über die Energieversorgung der Zukunft. Erneuerbare Energien, darunter besonders die Fotovoltaik, bieten eine umweltfreundliche Alternative mit hohem Entwicklungspotential. Endlich haben wir Energietechnologien, die uns helfen, nichts mehr zu verbrauchen, sondern nur noch zu nutzen.
Wenn wir Sonnenstrom nutzen, entsteht kein Nachteil für künftige Generationen - wir verbrennen ihnen nichts weg.
So ernten wir mit einer Photovoltaikanlage aus (amorphen) Silizium etwa das 10-20 fache an Energie von der Sonne, die zur Herstellung der Anlage benötigt wurde. Silizium ist das zweithäufigste Element auf der Erde. Es wird aus Sand, Quarzen oder Bergkristall gewonnen. Das Element ist toxisch unbedenklich. Selbst wenn man den 'ökologischen Rucksack', also die Summe der Stoffströme berücksichtigt, die beim Weg des Siliziums vom Bergwerk bis zur Solarmodulfabrik mobilisiert werden, ist die Fotovoltaik umweltfreundlich", erläuterte Nell-Düvel.
Und weiter: "Im Kostenvergleich der Stromerzeugung können wir nicht einfach die Umweltschäden ignorieren, die durch die Verbrennungsgase der in Jahrmillionen entstandenen fossilen Energieträger oder durch das Anhäufen von - für Tausende von Jahren - strahlendem Atommüll entstehen. Der Klimawandel fordert schon heute seinen Tribut; viel stärker wurde die Volkswirtschaft allein durch die Überschwemmungen vom Sommer 2002 belastet. Das führte sogar dazu, dass geplante Steuerabsenkungen verschoben werden mussten.
Außerdem: der technische Fortschritt bei der industriellen Herstellung von Solarzellen hat in den letzten 20 Jahren zu einer Senkung der Kosten für Solarmodule um 75% geführt, und bei einem Ausbau der Fertigungskapazitäten sind weitere deutliche Preissenkungen zu erwarten."
Nell-Düvel abschließend zur Erläuterung des Prüfauftrages an die Stadtverwaltung: "Das Erneuerbare-Energien-Gesetz ermöglicht jedem, der eine ausreichend große unverschattete Dachfläche sein eigen nennt, eine gewinnbringende Sonnen-Stromproduktion. Durch die lange Lebenszeit von Solarstromanlagen kann vom 15ten bis 30ten Jahr mit Gewinnen gerechnet werden. Da die meisten Hersteller 25 Jahre Leistungsgarantie auf 80% der Ausgangsleistung geben und namhafte Versicherer diese Garantieleistung absichern sind Solarstromanlagen derzeit interessante und sehr sichere Renditeobjekte.
Das Argument, Solarstrom belastet den Steuerzahler, ist widerlegt. Pro Einwohner und Jahr wird gegenwärtig weniger als drei Euro ausgegeben für die erhöhte Vergütung für Solarstrom, die gemäß EEG mit dem Strompreis von jedem mitgetragen wird. Das Gesetz regelt heute schon, dass die Anschubfinanzierung der Photovoltaiktechnik schrittweise Jahr für Jahr um 2% für Neuanlagen abgebaut wird.
Die Stadt Bad Nauheim ist im Besitz zahlreicher ungenutzter Dachflächen auf Kindergärten, Bauhof- und Verwaltungsgebäuden, sowie der Immobilien des ehemaligen Staatsbades, die bald für den Etat der Stadt gewinnbringend genutzt werden könnten."

