2006-02-13: Schulen, die gelingen

Der OV Bad Nauheim von Bündnis 90/Die Grünen zeigte den Film Treibhäuser der Zukunft von Richard Kahl. Dieser Film macht ganz aktuell Schule. Er zeigt Lernorte mit fröhlichen Kindern, selbstbewussten Lehrern, zufriedenen Eltern und über Pisa liegenden Leistungen. Dies nicht im fernen Skandinavien, sondern mitten in Deutschland.

Im Anschluss an den halbstündigen Dokumentarfilm diskutierten die interessierten Teilnehmer unter der Moderation von Brigitta Nell-Düvel über das Erfolgs­ Geheimnis dieser Schulen.

Die auffälligste Gemeinsamkeit der unterschiedlichen Schultypen ist die Grundhaltung, dass jedes Kind so angenommen wird, wie es ist. Nicht die im dreigliedrigen System angestrebte homogene Lerngruppe bringt die Schüler voran, eher die heterogene, oft auch altersgemischte Gruppe. In ihr können die Großen den Kleinen helfen, es entwickelt sich Verständnis und soziale Kompetenz. Alle interviewten Pädagogen waren sich einig: "Es ist von Vorteil, verschieden zu sein, auch 'Leistungs-verschieden'." Das Voneinanderlernen sollte nicht durch zu frühe Differenzierung in unterschiedliche Schulformen beendet werden, damit Kinder mit langsamen Lerntempo Chancen haben.

Der Film zeigt nicht nur die Vorteile von Ganztagsschulen auf, er stellt klipp und klar dar, warum Schulen die gelingen den Ganztagsunterricht zur Voraussetzung haben. Nur sie können realistische Lernorte sein, weil sie der Lebenswirklichkeit der Eltern und Gesellschaft angepasst sind. In Schulen die gelingen gehört die so genannte Osterhasenpädagogik der Vergangenheit an. Dieses übliche pädagogische Konzept führt die Schüler in die Passivität - der Lehrer gestaltet vom Anfang bis zum Ende den Unterricht, er versteckt in seinem Vortrag das Wissen, und die Schüler hören zu und sollen es finden.

PISA hat es aufgedeckt. Deutsche Schüler können Aufgaben nicht selbständig lösen, weil ihr Wissen nur auf bestimmte Anforderungen zugeschnitten ist. Wir müssen unsere Schüler mehr dazu ausbilden, flexibel mit Wissen umzugehen, es möglichst selbständig zu erarbeiten und zu erforschen, um es problemlösend einzusetzen. Schließlich muss die junge Generation darauf vorbereitet sein, Probleme zu lösen, von denen wir heute noch keine Ahnung haben.

Diskussionsteilnehmer wiesen darauf hin, dass die gezeigten pädagogischen Ansätze schon seit Jahrzehnten in Walldorf- oder Montessori-Schulen mit Erfolg praktiziert werden. Mathias Wagner, Landtagsabgeordneter der Grünen aus Wiesbaden, verdeutlichte grüne politische Ziele: allen Schülern solle die Erziehung zum selbständigen Lernen und Erforschen zugute kommen, unabhängig von sozialem Hintergrund und Bildungsniveau des Elternhauses. "Grüne Entscheidungen messen sich an diesem Anspruch."

Eine entscheidende Frage ist die Finanzierbarkeit dieses Schulkonzeptes.
Mathias Wagner: "Generell sollte nicht bei den Ausgaben für die Ausbildung unserer Kinder und Jugendlichen gespart werden, Jeder Euro, den wir investieren, zahlt sich langfristig in 3 bis 4 Euro durch ein Minus an Jugendkriminalität, durch ein Minus an Langzeitarbeitslosen und einer geringeren Belastung des Sozialsystems aus, und führt nicht zuletzt zu einem Plus einer sozialen und solidarischen Gesellschaft."

Er schlug zur Gegenfinanzierung vor, 1% von der geplanten Mehrwertsteuererhöhung in die Umstrukturierung des Bildungssystems zu investieren. Ein weiterer Vorteil des vorgestellten pädagogischen Modells sei der Wegfall von Nachhilfekosten, die bundesweit immerhin eine Summe von geschätzten 4 Milliarden Euro ausmachten. Schüler werden in den Ganztagsschulen optimal über einen Schularbeitstag gefördert, und benötigten keine zusätzliche Nachhilfe.

Nell-Düvel: "Dieser Film zeigt Lösungsmöglichkeiten, die aus unserer Bildungssackgasse führen. Beeindruckend ist, dass sich SchülerInnen und LehrerInnen in diesen Treibhäusern wohl fühlen. Sie gehen neugierig und gerne dorthin, die Gedanken an Schul- und Hitzefrei sind ganz weit weg."

Treffen

Regelmäßige Treffen der GRÜNEN-Fraktion am 1. und 3. Montag des Monats um 20 Uhr, Evangelische Familienbildungsstätte, Am Goldstein 4 ("Alte Wäscherei")

Gäste sind stets willkommen, auch zum mitdiskutieren!

Aus den Fotoalben

Kittlaus, Pierre

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