2007-02-16: Ein-Liter-Haus-Standard in Neubaugebieten
Grüne fordern Festschreibung von Energie-Effizienz-Standards
Die Bad Nauheimer GRÜNEN beantragen einen Beschluss der Stadtverordnetensammlung, dass die Stadt Bad Nauheim in künftigen Bebauungsplänen, ganz aktuell für den Bebauungsplan Housing-Area, für Neubauten den Ein-Liter-Haus-Standard - 40 kwh Gesamtenergieverbrauch pro m² - verbindlich festgelegt. Ihrem Image als Gesundheitsstadt im Grünen entsprechend, so fordern die GRÜNEN, soll Bad Nauheim sofort reagieren und wegweisende Klimaschutzziele mit moderner Technologie in den künftigen Bebauungsplänen umsetzen.
Brigitta Nell-Düvel: "Andere reden über Klimaschutz, Bad Nauheim handelt". das wäre eine Positiv-Schlagzeile wert. In diesem Winter konnte den einsetzenden Klimawandel jeder begreifen, selbst die Bild titelte im November "Unsere Erde hat Fieber" und im Februar "Schockierender Weltklimabericht, unser Planet stirbt". Tatsache ist: Ein weiterer CO2-Anstieg der Erdatmosphäre wird zu schweren Veränderungen des Weltklimas führen. Die Menschheit löst mit ihrem ungebremsten Konsum an Brennstoffen die globale Erwärmung aus.
Auf diesen Zusammenhang haben die Grünen und andere verantwortlich denkende und handelnde Menschen, wie unser früherer Umweltminister Prof. Klaus Töpfer, schon vor Jahren immer wieder hingewiesen. Wenn wir den Klimawandel begrenzen wollen, so muss die Verbrennung fossiler Brennstoffe reduziert werden. Wir können und müssen dieses Wissen in Handeln umsetzen. Immer noch gut ein Drittel unseres jährlichen Energieverbrauchs jagen wir in der kalten Jahreszeit durch den Schornstein.
Es geht auch anders, ganz ohne Heizungsanlage und Schornstein. Passivhäuser brauchen nur extrem wenig Heizenergie, etwa ein Zehntel im Vergleich zu durchschnittlichen bestehenden Gebäuden und 75 Prozent weniger als ein durchschnittlicher Neubau. Anders als Standardgebäude, die viel Wärme verschwenden und deshalb aktiv beheizt werden müssen, nutzt das Passivhaus die in seinem Inneren vorhandenen Energiequellen wie zum Beispiel die Körperwärme von Personen oder die einfallende Sonnenwärme. Für die Heizung bei langen Kälteperioden reicht die Leistung eines Haarföns. Besondere Fenster und eine Hülle aus hochwirksamen Dämmpaketen in Außenwänden, Dach und Bodenplatte schließen die Wärme schützend ein. Für ständig frische Luft ohne Zugerscheinungen sorgt gleichzeitig eine Lüftungsanlage, in der ein hocheffizienter Wärmetauscher Wärmeverluste weitgehend verhindert
Das Passivhaus setzt keine spezielle Bauweise oder Bauform voraus. Es handelt sich vielmehr um einen Qualitätsstandard für nachhaltiges Bauen. Jeder erfahrene Architekt kann Passivhäuser planen. Passivhäuser werden in Massivbauweise, als Holzbauten, mit Beton-Schalungselementen und als Mischbau realisiert.
Energieeffizientes Bauen ist in Deutschland zurzeit so günstig wie noch nie. Die hohen Energiepreise erfordern geradezu zukunftsgerechtes Bauen und Modernisieren. Die Summe aller zusätzlichen Investitionskosten für den Passivhausstandard betragen bei einem durchschnittlichen Einfamilienhausneubau mit 150 qm Wohnfläche cirka 14.000 Euro, Die neuen Förderkonditionen der KfW-Förderbank (1% Zins für das ESH40/Passivhaus) führen im Prinzip dazu, dass das energiesparende Passivhaus für jeden Bauherren die Alternative mit der geringsten Jahreskostenbelastung ist.
Aber nicht nur weil es sich rechnet: wir müssen den Klimaschutz ernst nehmen, wir haben es in der Hand. Eine irreversibel schädliche Entwicklung ist noch vermeidbar. Die schlimmsten Folgen können durch verantwortliches Handeln abgewendet werden. Handeln, das sich nicht in schönen Worten erschöpft. Handeln, dass dazu beiträgt, den Klimawandel so zu begrenzen, dass wir unseren Kindern und Enkeln eine Erde überlassen können, in der das Leben weiterhin lebenswert ist, denn wir haben die Erde nur von unseren Kindern geborgt.

