2007-03-18: Gentechnikfreie Kurstadt
Die Fraktion der Bündnis-Grünen fordert ein gentechnikfreies Bad Nauheim. Der gemeinsame Antrag von SPD und Grünen in der nächsten Stadtverordnetenversammlung soll die Landwirte unterstützen, auf gentechnisch verändertes Saatgut zu verzichten. Darüber hinaus soll die Landesgartenschau ausdrücklich ohne gentechnisch veränderte Pflanzen ausgerichtet werden. Der Einsatz von grüner Gentechnik im Freiland - im Gegensatz zur Gentechnik im Labor - widerspricht nach ihrer Ansicht dem Ziel einer zukunftsfähigen, umweltgerechten und sozial nachhaltigen Landwirtschaft. Die Bündnis-Grünen wollen verhindern, dass die Verbraucher eines Tages gegen ihren Willen gezwungen sind, Gen-Food zu essen.
Die ökologische Landwirtschaft, die die Gen-Technik ablehnt, ist ein boomender Bereich - hier hat sich die Zahl der Beschäftigten in den letzten zehn Jahren auf 150.000 verdoppelt. Die deutschen Landwirte können die gestiegene Nachfrage nach Bio-Produkten derzeit nicht aus heimischer Produktion decken. Gentechnikfreie Bioprodukte müssen mittlerweile aus ganz Europa importiert werden.
Bei kaum einem umweltpolitischen Thema herrscht in Deutschland und Europa soviel Einigkeit wie beim Thema Agro-Gentechnik: Vier von fünf Bürgerinnen und Bürger lehnen den Einsatz dieser Form der Gentechnik ab - 95 % verlangen eine klare Kennzeichnung. Deutlicher kann ein Signal an die Politik nicht ausfallen! Die große Mehrheit der VerbraucherInnen und Landwirte will kein Gen-Food auf dem Teller. Sie möchten in Tomaten keine Mäuse-Gene essen. Sie wollen auch keine Milch- und Fleischprodukte von Tieren, die mit Gen-Mais oder Gen-Soja gefüttert werden. Die Verbraucher wollen weniger Gift auf dem Acker!
In allen Regionen, die gentechnisch verändertes Saatgut anbauen, musste der Pestizideinsatz zum Teil drastisch erhöht werden. Die Debatte über den Minderverbrauch an Pestiziden durch Gen-Pflanzen ist, so die Grünen, wenig zielführend, denn es gibt bereits eine Landwirtschaft, die ganz auf den Einsatz von Pestiziden verzichtet - die ökologische Landwirtschaft!
Brigitta Nell-Düvel, die Fraktionsvorsitzende der Nauheimer Grünen: "Die Politik muss auf die Erwartungen der Verbraucher reagieren und die Absatzmöglichkeiten der Landwirte für Bioprodukte fördern. Wir wünschen uns, dass die Nauheimer Landwirte dem Beispiel der Gemeinden Bad Schwalbach im Rheingau-Taunus-Kreis und dem Beispiel der Bodensee-Gemeinden Überlingen, Owingen und Sipplingen folgen. Die Kurstädte Bad Schwalbach und Überlingen können schon mit dem Prädikat Gentechnikfreie Zone mit einem gesundheitsbewussten Image um Erholungssuchende Touristen werben.
Bereits im März 2004, zur Feier der neuen gentechnikfreien Zone in der Kurstadt Überlingen, reiste eigens der Ministerialdirektor des Ministeriums für Ländlichen Raum aus Stuttgart an den Bodensee und gratulierte den 70 Betrieben, die in Zusammenhalt und Eigenverantwortung Vorbildfunktion zeigten. Der Oberbürgermeister Weber der Stadt Überlingen freute sich: "Die Landwirte haben mit ihrem freiwilligem Verzicht unserer Stadt einen großen Dienst erwiesen. Über 80.000 Gäste jährlich schätzen die natürliche Kulturlandschaft in der Umgebung der Stadt. Für sie ist es gut zu wissen, dass hier keine gentechnisch veränderten Pflanzen angebaut werden."
Nach Meinung der Bündnis-Grünen ist der ausdrückliche Verzicht auf Gentechnik auf der Landesgartenschau und in der Landwirtschaft ein wichtiger Mosaikstein für das Image einer Gesundheitsstadt.

