2008-05-11: Katastrophaler Zustand des Waldes Folge der alleinigen Ausrichtung auf Gewinnmaximierung
Seit Jahren kritisieren die Bad Nauheimer Grünen den Umgang des Magistrats, des Kurbetriebes, des Hessen-Forst und auch der CDU/ UWG-Mehrheit mit den Waldflächen in Bad Nauheim. "Durch Pressemitteilungen und Anträge/ Anfragen haben wir immer wieder versucht, die Bedeutung des Hoch- und Frauenwaldes als Erholungswald hervorzuheben, der nach dem Prinzip der Nachhaltigkeit und nicht nur nach betriebswirtschaftlichen Gründen bewirtschaftet werden muss", so Elke Müller, Mitglied der GRÜNEN im Umweltausschuss.
Mit Blick auf den vorbildlichen Wirtschaftsplan der Stadt Bad Homburg haben die Grünen während der Beratung des Waldwirtschaftsplanes 2006/2007 gefordert, dass Bad Nauheim als Gesundheitsstadt finanzielle Mittel in die Pflege des Waldes und der Wege investiert, um den Erholungswert des Waldes für die Kurgäste und die Bürgerinnen und Bürger zu bewahren. Die CDU/UWG-Mehrheit entschied sich dagegen ab 2006 für ein Konzept, dass eine vorwiegende Nutzung nach Wirtschaftlichkeitsgesichtspunkten vorsah. Die Grünen haben dem Waldwirtschaftsplan 2006 deshalb nicht zugestimmt.
Der OV Bad Nauheim von B90/ Die Grünen beklagt insgesamt das Ausmaß der umfangreichen Baumfällaktionen im gesamten Bad Nauheimer Stadtgebiet. Die Grünen waren und sind der Meinung, die Attraktivität von Bad Nauheim hängt auch von ihrer intakten Umgebung ab, die von Bürgern und Gästen wertgeschätzt wird. Die Grünen kritisieren die Haltung der Verantwortlichen, in erster Linie Bürgermeister und Umweltdezernent Witzel, der ebenso wie der UWG-Vorsitzende des Umweltausschusses, für diese katastrophale Entwicklung die volle Verantwortung trägt.
Seit Monaten fordern die Grünen eine Waldbegehung durch die Mitglieder des Umweltausschusses wegen der parallelen Fällungen an unterschiedlichsten Orten und der damit verbundenen Zerstörungen von umliegenden Bäumen, Waldböden und Wegen. Elke Müller: "Stattdessen sind mehrmals Umweltausschusssitzungen mit der Begründung ausgefallen, es gebe in Bad Nauheim keinen Beratungsbedarf und deshalb keine Themen für eine Tagesordnung. Es fehlt schlicht und einfach an der Spitze der Verwaltung das Bewusstsein für die Bedeutung der Umweltthemen."
Nach den umfangreichen und teilweise unprofessionellen Fällungen im Winterhalbjahr 2006/ 2007 setzten die GRÜNEN darauf, dass durch die zwischenzeitliche Zertifizierung des Waldes nach FSC eine Änderung der Bewirtschaftung einsetzen würde. Dem Antrag der Grünen, den Wald nach dem ökologisch ausgerichteten FSC-Label zu zertifizieren, war nach einer langen Beratungszeit zugestimmt worden, da nach FSC zertifiziertes Holz zunehmend leichter und gewinnbringender vermarktet werden kann. FSC bedeutet aber auch, dass der Wald ökologisch, umweltschonend, nachhaltig und –besonders hervorzuheben- unter Einbeziehung der Bürger bewirtschaftet werden muss. Nach Meinung der GRÜNEN werden die FSC-Regeln derzeit nicht eingehalten. Im schlimmsten Fall droht eine zeitnahe Aberkennung der Zertifizierung. Ist der städtischen Verwaltung das Konzept "FSC" bewusst? Wer kontrolliert die Einhaltung der FSC-Regeln?
Fraktionsvorsitzende Brigitta Nell-Düvel: "Meine Fraktion begrüßt, dass jetzt, wo das Ausmaß der Waldschäden sichtbar wird, langsam ein Umdenken bei einzelnen UWG-Mitglieder einsetzt und sie sich bei Abstimmungen für die umweltgerechte Bewirtschaftung stark machen wollen. Es wird zwar lange dauern, bis der eingetretene Schaden im Wald wieder behoben ist, letztendlich hat sich der von den Fraktionen CDU und UWG praktizierte Grundsatz Wirtschaftlichkeit geht vor Erholungswert mal wieder als viel teurer erwiesen. Ich persönlich würde mich freuen, wenn Umweltdezernent Witzel Hinweise der Grünen ernster nehmen und nicht als Umweltwahn bezeichnen würde. Wir bieten unsere Kompetenz und Zusammenarbeit an, um in Zukunft zum Wohle des Waldes und der Natur zu entscheiden."

