2008-06-12: Die Grünen fordern: auch in Bad Nauheim "ein Auto nutzen statt besitzen"
Vor knapp 20 Jahren entstand die Idee, ein Fahrzeug intelligent durch Teilen auf verschiedene Nutzer ökonomisch und ökologisch zu nutzen. Durchschnittlich ist ein Pkw 2/3 des Tages kein Fahrzeug, sondern ein "Stehzeug", das hohe Fixkosten verursacht. Die gesamten Kosten für einen Mittelklassewagen wie einen einfachen Golf betragen bei einer durchschnittlichen Kilometerleistung von 12.000 km ca. 5000 € pro Jahr – inklusive Versicherung, Steuern, Wartung, Werteverlust und Spritkosten. Wer sich darüber nicht länger ärgern, aber auch nicht ganz auf ein Auto verzichten möchte, hat die attraktive Alternative Carsharing.
So sieht das Auto-Teilen praktisch aus: Viele Menschen teilen sich mehrere Autos, die von einer Zentrale verwaltet werden. Unterschiedliche Autotypen stehen an ausgewiesenen Standorten bereit und können nach Bedarf und Einsatzzweck per Telefon oder Internet gebucht werden. Die Benutzer haben mit Reinigung, Wartung, Instandsetzung, Versicherung oder anderen lästigen Problemen nichts mehr zu tun. Sie erhalten einmal pro Monat eine Rechnung je nach Inanspruchnahme, alles andere regelt die Carsharing-Organisation.
Auch für Bahn-, Bus- und Fahrradfahrer, die kein eigenes Auto besitzen, kann Carsharing ein Plus an Flexibilität bedeuten. Mittlerweile sehen Betriebe und auch öffentliche Verwaltungen die Chancen und Vorteile von Carsharing. Die Lufthansa zum Beispiel bietet ihren Mitarbeitern an allen größeren Standorten diesen günstigen Service, der zunehmend genutzt wird.
Nach Angaben des Bundesverbandes Carsharing verzeichnete der Verband Anfang 2008 ein Plus von 21.000 Nutzern gegenüber dem Vorjahr. Carsharing wird in Deutschland zurzeit von ca. 100 Anbietern in 270 deutschen Orten angeboten. Bundesweit stehen 3200 Autos an 1600 Stationen zur Verfügung.
Doch oft haben die Carsharing-Anbieter Probleme, günstig gelegene reservierte Parkplätze für ihre Autos zu finden.
Momentan liegt im Bundesverkehrsministerium der Text einer Gesetzesänderung des StVG vor, der die rechtlichen Vorraussetzungen zur Errichtung reservierter Plätze im öffentlichen Straßenraum schafft. Martin Dätz, Vorstandssprecher der Bad Nauheimer Grünen: "Aktuell wird im Straßenverkehrsraum in Bad Nauheim viel geplant und gebaut. Dies bietet die Möglichkeit, an günstig gelegenen Stellen Parkplätze für Carsharing auszuweisen. Sie sollen dazu beitragen, die Dienstleistung Carsharing an die tatsächlichen oder potenziellen Kunden heranzuführen. Die Kriterien der Standortwahl sollen gleichberechtigt Kundennähe, Verknüpfungsqualität mit den öffentlichen Nahverkehr und örtliche Sachzwänge sein."
Brigitta Nell-Düvel, Fraktionsvorsitzende: "Die Grünen haben für die nächste Stadtverordnetenversammlung einen entsprechenden Antrag gestellt. Carsharing bietet ein passgenaues Angebot von Mobilität für viele Menschen mit kalkulierbaren Kosten. Zusätzlich trägt Bad Nauheim durch eine Förderung von Carsharing ohne großen Aufwand zum Klimaschutz bei."

