2003-08-23: Sicherheit für Bad Nauheim. Grüne fordern Unfallminderungsprogramm
Die Fraktion Bündnis 90/DIE GRÜNEN fordert ein Unfallminderungsprogramm für die Stadt Bad Nauheim. Ziel muss es nach Ansicht der Grünen sein, die Zahl der schweren Unfälle innerhalb der nächsten fünf Jahre um 10 Prozent zu senken.
Andreas Friedrich, Grünen-Stadtverordneter und aus langjähriger Berufspraxis als Fahrlehrer Experte für Verkehrssicherheit: „Die Zahl der verunglücktne Kinder in Deutschland kann man nur als Trauerspiel bezeichnen. In keinem anderen europäischen Land kommen so viele Kinder unter die Räder wie in Deutschland. Zu den Hauptrisikogruppen im Verkehr zählten Kinder zwischen 6 und 10 Jahren zu Fuß und zwischen 10 und 15 Jahren auf dem Fahrrad sowie Senioren.“
Die Gefahr, im Straßenverkehr zu verunglücken, sei das größte Risiko für Leib und Leben in Deutschland. Zwar sei erfreulicherweise in den letzten Jahren die Zahl der im Straßenverkehr getöteten oder verletzten Kinder gesunken, doch handele es sich dabei um einen Scheinerfolg. Denn die Kinder spielten heute deutlich weniger draußen als früher, mit weitreichenden Folgen: Kinderärzte warnten bereits vor den negativen gesundheitlichen Folgen der zunehmenden Bewegungsarmut unserer Kinder.
Kinder zögen sich aus Angst vor dem Autoverkehr immer stärker aus dem Straßenraum zurück. Außerdem brächten viele Eltern aus Angst vor dem Verkehr ihre Kinder mit dem Auto in Kindergarten und Schule - eine makabre Spirale.
Dreiviertel der Kinderunfälle ereigneten sich innerhalb von Ortschaften. Die meisten Unfälle passierten nachmittags, wenn die Kinder nach der Schule draußen spielten. Ein Großteil dieser Unfälle ließe sich vermeiden, wenn die Höchstgeschwindigkeit innerorts auf Tempo 30 (außer Hauptstraßen) begrenzt würde. Die Erfahrung mit Tempo 30 zeige, dass die Zahl der Unfälle um mindestens 20 Prozent sänke. Der Rückgang bei schweren Unfällen sei noch deutlich höher.
Das gelte auch für Bad Nauheim: Die Einführung der Tempobeschränkung mit Tempo 30 in der Salinenstraße in Schwalheim habe eindrucksvoll demonstriert, wie mit einfachen verkehrslenkenden Mitteln die zuvor „unfallträchtigste Straße im ganzen Stadtgebiet“, Zitat Verkehrsdezernent Stadtrat Witzel, wirkungsvoll zum Schutz aller Bürger sicherer wurde.
Zurecht habe Bad Nauheims Bürgermeister Rohde bereits 1991 bei der Einführung von Tempo 30 in Nieder-Mörlen angekündigt, „wir wollen die Verkehrssicherheit erhöhen, wir wollen die Umweltqualität unserer Kurstadt steigern und wir wollen das Wohnumfeld in unserer Stadt verbessern [...] Mit Tempo 30 setzen wir einen wichtigen Baustein zu mehr Miteinander, zu mehr Lebensqualität“.
Andreas Friedrich abschließend: „Was ist zu tun? Der Beschluss der Stadtverordnetenversammlung von 1990 zur flächenhaften Verkehrsberuhigung in Bad Nauheim wird konsequent umgesetzt. Tempo 30 wird zur Regel und Tempo 50 auf den Hauptstraßen zur Ausnahme. Wir wollen, dass alle neuen verkehrsrelevanten Vorhaben unter dem Aspekt geprüft werden, ob sie geeignet sind, das gesteckte Ziel der Verbesserung der Sicherheit für Kinder und Senioren zu erreichen.“

