2002-01-06: Denkmalschutz braucht Umweltschutz - Kreativität und Kompromissbereitschaft sind gefragt
Die Besorgnis des Denkmalbeirats und seine restriktive Haltung speziell zur Errichtung einer Photovoltaikanlage auf dem Scheunendach des Hofguts Löw in Steinfurth erregt die Gemüter der Umweltschützer. Brigitta Nell-Düvel, Kreistagsabgeordnete und Nauheimer Stadtverordnete der BündnisGrünen, äußert in einer Pressemitteilung ihr Bedauern, dass der Denkmalbeirat den Abriss von schützenswerten Gebäuden beklagt, ohne Wege aufzuzeigen, mit welchem Geld die Sanierung und Unterhaltung von diesen Gebäuden gewährleistet werden soll. Es sei wenig hilfreich, kompromisslos das Anbringen einer Photovoltaikanlage zu verbieten, und damit Einnahmemöglichkeiten, die gleichzeitig dem Erhalt der schützenswerten Bauten und den Klimaschutzzielen dienten, zu verhindern.
Photovoltaik als Experimentierfeld einer neuen Technik zu bezeichnen und damit als negativen "Mode-Trend" abzuqualifizieren, zeige nach Meinung der Grünen von einem geringen Kenntnisstand. "Die Folgeschäden durch Luftverschmutzung und sauren Regen sind gerade im Denkmalschutz nicht unbeträchtlich, was den Mitgliedern des Beirates wohl am besten bekannt ist. Trotzdem scheinen sie es wohl für besser zu halten, wenn Eigentümer denkmalgeschützter Gebäude mit dem Verzicht auf die klimaschonende Solarenergie selber zur Schädigung der Denkmäler beitragen", so Nell-Düvel. Die Photovoltaik erlaube dem Besitzer zusätzliche Einnahmen zu Erhaltung seines Gebäudes. Aus guten Gründen und gerade mit Unterstützung der Grünen fördere die Bundes- und Landesregierung mit gezielten Zuschüssen diese umweltschonende Technik und garantiere durch das Energieeinspeisungsgesetz eine entsprechende Rendite.
Auch nach Ansicht der Grünen sollte eine Photovoltaikanlage durch geschickte Einbindung in die Dachlandschaft den Gesamteindruck eines Ensembles nicht stören. Doch gerade Frau von Löw in Steinfurt habe sich bemüht, ihre Module so anzubringen, dass sie von der Strasse aus nur von einem geringen Blickwinkel zu sehen seien, im Sommer werde die Anlage zusätzlich durch Laubbäume verdeckt. Die Einfahrt und die wertvolle Innenansicht des Hofgutes seien gar nicht beeinträchtigt. Außerdem werde die Gefahr verringert, dass der Betrachter ein wegen Geldmangels vernachlässigtes Gebäude zu sehen bekommt. Insgesamt dränge sich der Eindruck auf, dass ohne Weitsicht und Toleranz ein kurzsichtiger Denkmalschutzgedanke betont werde, der die Aspekte des Umweltschutzes vollkommen vernachlässige und wenig zukunftsorientiert sei. Selbst im traditionsbewussten Bayern seien schon mehrere Gerichtsurteile zugunsten der Solarnutzer gefällt worden.
Die BündnisGrünen wünschten sich, so Nell-Düvel, dass es in Bad Nauheim nicht so weit kommen müsse. "Wir schlagen vor, dass sich alle Beteiligten noch einmal an einen 'runden Tisch' setzen, denn gerade in Zeiten knapper Kassen sind Kreativität und Kompromissbereitschaft gefragt." Nach Ansicht der Bad Nauheimer Grünen. sei es wenig hilfreich, wenn sich die Vertreter des Denkmalbeirates und die Umweltpreisträger 2001 gegenseitig öffentlich scharf kritisierten.
Vielmehr müssten die Interessen des Umwelt- und des Denkmalschutzes konstruktiv diskutiert und mit zukunftsfähigen Lösungen auf einem Dach vereint werden.

